PDF Ausgabe 1/2012

  • Pflegereform; Fachkräftemangel in der Pflege . Seite 1
  • Aktuelles zur Situation in der Altenhilfe, zur Ausbildung und zu Organisationen in der Pflege. Seite 2
  • QualitätsBündnis gegen Fachkräftemangel in der Pflege: Gründung, erste Ergebnisse. Seite 3
  • Grußwort Ministerin Altpeter; 1. Fachtag Kultursensible Pflege; Stimmen aus der Politik. Seite 4+5
  • Wir machen mit im Pflegenetz: Adressen der teilnehmenden Einrichtungen und Partner. Seite 6
  • AGs im PfN HN: Gesprächskreis; Schluckstörungen bei Demenz; Palliativversorgung; Ehrenamt. Seite 7
  • Stellenangebote; Tipps & Termine; Veranstaltungen. Seite 8
01 Viel Lärm um Nichts 02 Bericht: 1. Fachtag "Kultursensible Pflege" 03 Vorträge+Bilder: 1. Fachtag "Kultursensible Pflege"
04 Auszeit vom Pflegealltag 05 Schluckstörungen bei Menschen mit Demenz 06 10 Jahre Forum Ehrenamt

Ausgabe 1/2012

Fachkräftemangel
in der Pflege

Immer deutlicher zeichnet sich ein Mangel an examinierten Pflegekräften in der Altenpflege ab. Nicht nur in HN, sondern in ganz Deutschland könnte das zu erheblichen Versorgungsengpässen führen, wenn jetzt nichts unternommen wird. Doch wie kann man dem Problem begegnen?

„Nahezu jede Einrichtung der ambulanten wie auch der stationären Altenhilfe im Stadt- und Landkreis Heilbronn ist auf der Suche nach Fachkräften“, sagt Roland Heumaier von der Peter-Bruckmann-Schule. Obwohl die Anzahl der Auszubildenden dieses Schuljahr so hoch wie nie zuvor sei, bleibe die Ausstiegsquote unmittelbar nach dem Examen höher als in jedem anderen Beruf. „Es gibt einen immer stärkeren Wettbewerb um Pflegefachkräfte“, beklagt sich ein Heimleiter, „und es wird immer schwieriger, Fachkräfte dauerhaft an eine Einrichtung zu binden. Die berufliche Mobilität hat in den letzten Jahren spürbar zugenommen.“
Die große Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt schade laut einer Pflegedienstleiterin nicht nur dem Arbeitsklima, sondern gefährde letztlich sogar die hohe Qualität der Altenpflege, die man im Kreis HN vorweisen könne. „Noch reden wir nicht von Pflegenotstand in den Einrichtungen, doch wenn nichts getan wird, droht dieser“, resümiert ver.di–Funktionärin Marianne Kugler-Wendt die Situation im Landkreis.
Vertreter der Pflegedienste nennen eine ganze Reihe von Gründen für den Fachkräftemangel: ein allzu schlechtes Image der Altenpflege, das dem Beruf die Attraktivität nehme, mangelndes Engagement und Verständnis der Politik für die Bedürfnisse der Pflegenden und ein überbordender bürokratischer Apparat, der den Einrichtungen unnötig viele Steine in den Weg lege.

Das zeige sich nicht zuletzt bei der komplizierten und oft langwierigen Anerkennung ausländischer Fachkräfte, die zunehmend benötigt werden, um die entstehende Versorgungslücke zu füllen. Vor allem bei der Ausbildung wird der Ruf nach tiefgreifenden Reformen immer lauter. Beispielsweise soll Quereinsteigern auf dem zweiten Ausbildungsweg nun vermehrt Möglichkeit gegeben werden, als Fachkraft Fuß zu fassen. „Auch mit 35 Jahren kann ich die Erstausbildung in der Altenpflege absolvieren, wenn man in jüngeren Jahren nicht die Möglichkeit dazu hatte“, meint Frau Kugler-Wendt.
Dass etwas getan werden muss, ist offensichtlich. Doch wo fängt man an? Auf Initiative des Pflegenetzes Heilbronn trafen sich im Oktober letzten Jahres zahlreiche Vertreter aus dem Gesundheits- und Pflegesektor. Als „QualitätsBündnis gegen Fachkräftemangel in der Pflege“ garantierten sie in einem gemeinsam unterzeichneten „Letter of Understanding“ ihre Zusammenarbeit. Nun versucht man im Dialog Lösungsvorschläge zu erarbeiten, denn die Uhr tickt. Die voranschreitende Überalterung der Gesellschaft erfordert immer mehr Pflegeplätze und somit auch immer mehr Fachpersonal. „Deutschland hinkt im europäischen Vergleich bereits hinterher. Wie soll das dann erst in Zukunft werden?“, fragt sich der Leiter eines Heilbronner Pflegeheimes. „Nur wenn wir jetzt alle und mit der Unterstützung von Vertretern der Politik an einem Strang ziehen, können wir dieser Problematik noch begegnen!“

Timm Schönfelder


Ausgabe 2/2011

Wer braucht einen
"Urin-Kellner"?

Pflege (immer noch) in Not! Von Jochen Müter, n-tv.de

Dass die Pflege in Deutschland schwer krank ist, wird zunehmend offensichtlicher. Immer mehr Menschen haben Kontakt mit einem System, das überstrapaziert und ausgemergelt ist. Und dem der Nachwuchs ausgeht, weil der Beruf systematisch ruiniert wurde. Wieder droht der „Notstand“ - oder besser: Er wird immer schlimmer.

Einen „Notstand in der Altenpflege“ befürchtet Bernd Meurer. Und der muss es wissen, denn er ist Präsident des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste. Rund 3.100 Pflegedienste und über 3.400 stationäre Pflegeeinrichtungen sind der Organisation angeschlossen. Bereits heute fehlen in diesem Bereich tausende Fachkräfte, so Meurer. Diese seien aber nicht in Sicht. Meurer forderte die Bundesregierung auf, rasch zu handeln. Auch die angekündigte Pflegereform dürfe „nicht noch einmal aufgeschoben werden“.

Die Pflege ist also in Not. Und die zu Pflegenden mit ihr. Weiß das jemand noch nicht? Ist das neu? Nein, es ist nicht neu. Es ist nur so: Die Pflege ist traditionell gut auszubeuten. Die Menschen, die dort arbeiten, haben ein hohes Verantwortungsbewusstsein. Pflegende arbeiten mit Menschen, die rund um die Uhr Hilfe brauchen - da kann man nicht mal eben den Lokführer machen und mit einem Streik alles lahmlegen. Und: Alten- oder Krankenpflege sind immer noch Frauenberufe. Dazu kommt: Für eine Gesellschaft, die nur noch in Win-Win-Situationen denkt, ist die Pflege einfach zu teuer – sie bringt nichts ein, sie kostet nur. Alt und krank werden, das passt nicht in unser Leben.
Eine Abfrage bei der Jobsuche der Arbeitsagentur für Arbeit zeigt: Bundesweit sind dort 22.498 offene Stellen im Dienst an Pflegebedürftigen gemeldet. Die Erfahrung lehrt, dass diese Agentur-Zahl verdoppelt werden kann: macht fast 50.000 offene Stellen.
Viele mobile Pflegedienste und manches Altenheim haben schließlich schon aufgegeben zu inserieren. Dazu kommt: Kliniken, so hört man, haben nach Jahren des Stellenabbaus noch nicht wieder angefangen, Mitarbeiter zu suchen – aus Kostengründen. Man wartet bis zur letzten Sekunde, bis die überarbeiteten Pflegekräfte die Verantwortung endgültig ablehnen. Und wie viele illegal beschäftigte Kräfte aus Osteuropa eigentlich reguläre Stellen be-setzen weiß wohl niemand so genau. Ihre Zahl dürfte fünfstellig sein. Das Statistische Bundesamt jedenfalls geht davon aus, dass 2025, also in 14 Jahren, mehr als 150.000 Pflege-Profis fehlen.

Das Problem inzwischen: Neue Mitarbeiter gibt es nicht mehr. Der Markt ist leergefegt. Warum? Zum einen, weil die Branche „boomt“, wie es so schön heißt. Tausende Pflegedienste sind in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen. Die demographische Entwicklung und der Druck auf die Kliniken, Patienten so schnell wie möglich wieder loszuwerden, treiben ihnen die Kundschaft in die Arme. Zum anderen: Die beiden Ausbildungsberufe „Altenpfleger“ und „Krankenpfleger“ sind im vergangenen Jahrzehnt quasi systematisch ruiniert worden. Nichts Ernsthaftes wurde getan, um dem Image des „Urin-Kellners“ oder „Hintern-Abwischers“ entgegenzutreten. Ja, zum Berufsbild gehört die Körperpflege der Kranken und Alten. Aber eben auch: Umgang mit lebenserhaltender High-Tech, mit teuren und hochwirksamen Medikamenten, mit Extremsituationen und sich sorgenden Angehörigen.

Eine Pflegekraft ist ein bischen Arzt, ein bisschen Seelsorger, ein bisschen Manager, ein bisschen Bestatter, ein bisschen Koch, ein bisschen Sportler, ein bisschen Hygieneexperte, ein bisschen Apotheker, ein bisschen ... kurz: eine Allround-Fachkraft mit anspruchsvoller, lernintensiver Ausbildung!

Kellner

Das hätte nicht nur die Politik, das hätten auch Kirchen und private Träger besser würdigen müssen – und zwar an mehreren Stellen.

Stelle 1: Bei den Löhnen. 2.252 Euro brutto im Westen und 1.886 Euro im Osten bringt eine staatlich geprüfte Pflegefachkraft nach Hause. Ja, mancher Friseur (ca. 1.500 Euro brutto) ist da neidisch. Aber: Wenn die Frisur nach dem Schnitt nicht sitzt, wachsen die Haare nach. Wenn der Patient die falsche Infusion bekommt, ist er am Ende womöglich tot. Und noch ein Vergleich zum Nachdenken: Ein Fleischer verdient 2.449 Euro im Monat, ein Schaffner 2.305 Euro – beides über dem Lohn einer Pflegefachkraft.

Stelle 2: In der Ausbildung. Die Komplexität der Lehre hat vor allem die Krankenpflegeschulen in den 90er-Jahren dazu gebracht, in Sachen Nachwuchs auf Abiturienten zu setzen. Real- und Hauptschülern wurde der Weg in den Beruf zunehmend unmöglich. Heute rächt sich das.
Der Beruf ist bei Abiturienten unten durch, das Image des Jobs bei den anderen Schülern so schlecht, dass er sie nicht mehr interessiert. Dazu kommt: Die Anzahl der Ausbildungsplätze ist über Jahre massiv zusammengestrichen worden. Die Warnung vor einem Kräftemangel allein aus diesem Grund gibt es auch schon Jahre.

Stelle 3: Bei der Arbeitsmarktpolitik. Die Alten- und Krankenpflege wurde im Zuge der Liberalisierung des Arbeitsmarktes dem Leiharbeitssektor überlassen. Die meisten offenen Stellen bieten Unternehmen aus der „Arbeitnehmerüberlassung“ an. Und das bedeutet: Der Beruf, der eh schon ein hohes Maß an Flexibilität verlangt (Stichwort: Schicht- und Wochenendarbeit), wird zunehmend im Milieu prekärer Beschäftigung verortet. Das spüren auch die, die sich eventuell für die Aufgabe interessieren – und winken lieber ab.

Zu Kontakt gezwungen
Klar ist: Der Handlungsbedarf nimmt zu. Immer mehr Deutsche sind selbst betroffen oder kennen einen der 2,34 Millionen Pflegebedürftigen. Und haben damit erstmals Kontakt zu einem überstrapazierten, kranken System. Die Politik, die hier Wähler-Potenzial erkennt, nimmt sich langsam, aber sicher des Themas an. Ein Wandel muss her, das ist diversen Entscheidern längst klar. Der Berufsstand, die Ausbildung muss aufgewertet, die Löhne müssen erhöht werden. Der Zug der wilden Privatisierungen muss aufgehalten werden, denn Qualität muss bei der Arbeit mit Menschen vor ökonomischen Interessen stehen. Und so abgedroschen es klingt: Dieser Prozess könnte extrem beschleunigt werden, wenn jeder sich ernsthaft klar macht, wie schnell es geht, dass er selbst einen „Hintern-Abwischer“ braucht.

Jochen Müter ist Politik-Redakteur
bei der Nachrichtenseite n-tv.de, Berlin. http://www.n-tv.de/politik/Wer-braucht-einen-Urin-Kellner-article3956966.html


Ausgabe 2/2011

Gegen Fachkräftemangel in der Pflege

Mögliche Lösungswege und Maßnahmen in regionaler strategischer Organisation

Seit Anfang 2011 arbeiten - initiiert vom Pflegenetz HN e.V. - Vertreter ambulanter und stationärer Altenhilfe, Berufsfachschulen für Altenpflege, die Agentur für Arbeit HN mit den Altenhilfe-Vertretern von Stadt- und Landkreis sowie professionellen Institutionen für Moderation und Kommunikation ehrenamtlich daran, die Grundlagen für praktische Lösungen zu entwickeln, um gemeinsam dem Fachkräftemangel in der Pflege entgegenwirken zu können.

Letter of understanding

Wir, die Unterzeichner, haben uns aus unserer gesellschaftlichen Verantwortung heraus zu einem Runden Tisch zusammengeschlossen, um die Gesundheitsversorgung der Region mittel- bis langfristig sicherzustellen.

Dafür nutzen wir unser gebündeltes Know-how und stellen im Rahmen unserer Möglichkeiten bedarfsgerecht Ressourcen bereit.

Wir streben danach, unter sich abzeichnen­den verändernden Rahmenbedingungen, höchste Qualität in der Alten-/Gesundheits­versorgung der Region zu erhalten und auszubauen.

Wir sehen uns in der Verantwortung, als QualitätsBündnis mit positivem Beispiel vorauszugehen und laden alle Interessierte ein, sich aktiv zu beteiligen..

„QualitätsBündnis gegen Fachkräftemangel in der Pflege“ - unter diesem Motto werden sich die Beteiligten der Initiative am 19. Oktober 2011 ab 18 Uhr in einem öffentlichen Akt mit Podiumsdiskussion anlässlich der Seniorentage in Heilbronn zu einem gemeinsamen „verbindlichen“ Handeln in einem „Letter of Understanding“ verpflichten. Erste Arbeitskreise sind bereits gebildet und aktiv, weitere sollen hinzukommen, um die komplexe Thematik mit Qualität zu stemmen. Dazu wird der Kompetenzkreis noch erweitert.

Der Anlass zum Handeln
Die Versorgungsstruktur des deutschen Gesundheitssystems ist in seiner gegenwärtigen Ausprägung nicht zukunftsfähig. Dies liegt an mehreren Faktoren. Auf jeden Fall mit am wachsenden Kostendruck durch den demografischen Wandel und des medizinischen Fortschrittes und ganz speziell am bereits kurzfristig absehbaren massiven Personalmangel im Gesundheitswesen (Oswald D. A., 2011). Grundsätzlich stehen durch den Rückgang und die gleichzeitige Alterung der Bevölkerung immer mehr älteren Menschen, immer weniger erwerbsfähige Personen gegenüber (Parität inform, 2011).

Vielschichtige Maßnahmen
Diese Ausführungen zeigen den dringenden Handlungsbedarf. Dieser ist von Region zu Region unterschiedlich zu bewerten und alle Verantwortliche müssen sich gemeinsam mit dieser Herausforderung auseinandersetzen um adäquate Lösungen zu erarbeiten.

QualitätsBündnis gegen Fachkräftemangel in der Pflege

Deutlich wird, dass die Maßnahmen um dem Mangel entgegenzuwirken, in ihren Ursachen oft vielschichtig sein werden. Durch kurzfristige Maßnahmen wie Schulungen, Betreuungs­angebote für Kinder, flexible Arbeitszeitmodelle, Gesundheitserhaltungsprogramme etc., gibt es zwar erste kleine Lösungen, doch muss die gesamte Thematik mittelfristig bis langfristig angegangen werden.

Versuche zur Imageverbesserungen, wie Kampagnen oder Förderprogramme für Aus-, Fort- und Weiterbildung werden nur kurzfristige Erfolge bringen. Mittelfristig wird es dringend notwendig sein Arbeits- und Rahmenbedingen grundlegend zu verändern. Ebenso wird es wohl nicht ausbleiben die Vergütungen anzupassen.
Die Gesundheitswirtschaft ist ein attraktiver und vor allem zukunftssicherer Markt und bietet, wie die Vielschichtigkeit der Ursachen und Auswirkungen des Pflegekräftemangels, natürlich auch eine Mehrschichtigkeit an Lösungen. Voraussetzung dafür ist ein Mix aus unterschiedlichen Maßnahmen, die in Summe und durch ihr Ineinandergreifen entscheidende Impulse geben. Das Ganze ist ein riesiger Prozess, der übergeordnet strukturiert, gesteuert und begleitet werden muss, um das große Ziel nicht durch Lobbyismus und Egoismus aus den Augen zu verlieren.

Dabei sind Verbesserungen der Arbeits- und Rahmenbedingungen ein erster - wesentlich wichtiger - Schritt, aber eben nur ein Schritt. Weiteren, derzeit unbeachteten Aspekten muss hier mehr Raum und Bedeutung zugestanden werden, um Image und gesellschaftliche Anerkennung wieder positiv zu besetzen – wie z.B. ehemals bei der Gemeindeschwester.
Die Erfahrungen der letzten Monate zeigen, dass aufgrund der vielschichtigen Problematiken des Fachkräftemangels auch mehrschichtige Maßnahmen und multidimensionale Konzeptansätze erforderlich sind. Um eine strukturierte Vorgehensweise zu garantieren wurde dieses QualitätsBündnis landesweit einmalig ins Leben gerufen, damit mittel- bis langfristig praxisnahe, umsetzungsfähige und nachhaltige Lösungen entstehen.
Andreas Haupt


Ausgabe 1/2011

Es ist 5 vor 12: Die Region Heilbronn steht vor einer
großen Herausforderung

Obwohl die Agenda 62,3 eindeutig ist, reagieren viele Verantwortliche nicht. Ist Ihnen die Tragweite nicht bewusst oder haben sie nur keine Antwort darauf?

Dies kommt zumindest bei den Verantwort­lichen vom Pflegenetz Heilbronn e.V. so an!
Um aber auf die Herausforderungen der Agenda 62,3 (Erklärung siehe Grafik unten) zu reagieren und die Versorgung fürs Jahr 2020 sicherzustellen, bedarf es schon heute entsprechender Weichenstellungen von aufeinander abgestimmten und verzahnten Schritten, wie im Regelkreis (rechts) aufgezeigt und nachfolgend stichwortartig beschrieben. Ausführlicher wird auf diese Eckpunkte dann im Innenteil der Zeitung eingegangen.
Strukturanalyse Sie wird seit langem gefordert und ist notwendig, um zielgerichtete Maßnahmen einzuleiten. Sie sorgt für belastbare Daten und Fakten, um eine reale Ausgangslage für ein sicheres Erkennen der Bedarfe, Defizite bzw. Möglichkeiten zu erhalten.
Vernetzung Das Pflegenetz Heilbronn e.V. und die Stiftung ISGPN sehen bereits seit mehreren Jahren die Notwendigkeit, dass eine effektive und effiziente Versorgung der Patienten zukünftig nur in einer engen Verzahnung von allen Beteiligten gewähreistet werden kann. Um dieser Forderung mehr Nachdruck zu verleihen, werden jetzt zusätzlich weitere Netzwerke in der Region initiiert und in verschiedenen Projekten die sektorübergreifende Zusammenarbeit ganz intensiv gefordert und gefördert (Seite 3).
Leistungserfassung Über die komplette sektoren- und berufsgruppenübergreifende Versorgungskette (Fallbezogen) sollen die unterschiedlichen Leistungen transparent und nachvollziehbar unter Einbindung moderner Informationstechnik erfasst werden.

Transparenz und Qualität Für Patienteninformationen sowie für eine monetäre Bewertung die wichtigste Grundlage! Die ISGPN Sterne für gute Pflege machen Leistungen & Qualität über Sektoren hinweg sichtbar, die positive Differenzierung durch Bewertung/Qualitätsranking fördert den Wettbewerb und Verbraucherschutz.
Entbürokratisierung darf nicht nur eine leere Worthülse bleiben! Sondern diese langjährige Forderung der Praktiker soll jetzt mittels einer vernetzten und technikgestützten Erfassung von Leistung, Nutzen und Qualität durch modernste Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) endlich umgesetzt werden.
Bildung Grundlage jeglicher Weiterentwicklung! Nur durch gezielte Qualifizierung sowie Spezialisierung bis hin zur Akademisierung kann diese vorangetrieben werden. Politische Weichenstellung sorgt für ein positives Image und für Mitarbeiterperspektiven – und damit auch für den notwendigen Nachwuchs. Ein wichtiger Baustein, um dem Fachkräftemangel begegnen zu können!
Kommunikation Mit Zeitung, Internet und Intranet werden Mitglieder und Öffentlichkeit informiert, kritische und notwendige Themen aufgegriffen und erklärt sowie positive Impulse gesetzt.
Prozessoptimierungen Diese sind in allen Bereichen des Gesundheitswesens dringend notwendig, um Einsparpotenziale und Mitarbeiterentlastung zu bewirken. Neben Ablaufverbesserungen wird durch Einbindung von modernen Techniken wie z.B. Sensortechnik, AAL, Lineare Transparenz und ePflegeakte effektive Verbesserungen zu erwarten sein.


Sponsor für unseren smart gesucht!

Ausgabe 1/2010

Wir übernehmen Verantwortung

62,3 % Zuwachs der Pflegebedürftigen bis 2020 zwingt HN zum Handeln

Unsere Region kann mehr als nur Blech und Hightech
Die Gesundheitsbranche gilt gemäß den Kondratieff-Zyklen jetzt nach der Automobil- und IT-Technologie als kommender Wachstumsmarkt Nr. 1 in der Wirtschaft. Allerdings ist dieser Markt derzeit weder eindeutig zu lokalisieren, da er sich sehr heterogen gestaltet, noch kann er gezielt bearbeitet werden, da er sektoral und nach Berufsgruppen getrennt handelt. Und wenn, gibt es nur partielle Insellösungen.
Die Region HN mit ihren praktischen Erfahrungen und Ergebnissen aus über 6 Jahren Vernetzungsentwicklung auf unterschiedlichen Ebenen des Versorgungssektors bietet dafür beste Voraussetzungen, um diesen Markt richtungsweisend zu beeinflussen.
Es sind nun politisch die Weichen zu stellen, dass sich der Vorsprung durch Akzeptanz und Weiterentwicklung positiv auf Versorgung, Kommunen und Arbeitsplätze auswirkt. Dafür bietet die Region eine ideale Plattform, um diesen Wandel zu vollziehen, da sie den Schritt zur marktfähigen Gesundheitswirtschaft schon halb vollzogen hat und praxisorientierte Strukturen und willige Protagonisten aufweist, die selbständig innovative Projekte initiieren und umsetzen.
Diese unterschiedlichen Projekte (s. Ausgabe 1/2010, Kasten Seite 2) entwickeln sich zurzeit noch solitär, sind jedoch Bestandteil einer vernetzten Versorgungsform. Alle Projekte müssen, um volle Wirkung und Nachhaltigkeit zu erzielen, konstruktiv untereinander verknüpft werden. Hierzu ist die Überführung in ein professionelles Netzwerkmanagement und die monetäre Ausgestaltung der Versorgungsketten aber zwingend notwendig. Die Basis dazu muss eine quantitative und qualitative Datenanalyse sein.

Kein Output ohne Input
Die unterschiedlichen Projekte und deren Fortschritte zeigen deutlich, dass sich enormes fachliches Potenzial und pragmatische Dynamik hier in der Region entwickelt hat. Unter zum Teil schwierigen Voraussetzungen, was beweist, dass dieses Know-how vom hohen Maß an Eigenmotivation lebt.
Diese Tatsache ist nicht zu unterschätzen und sollte für weitere Zielsetzungen durch politische Anerkennung gefördert und unterstützt werden. Nur so kann bislang ehrenamtliches Engagement für weiteres Agieren gesichert und einzigartiger Praxistransfer für Wissenschaft und Forschung auch zukünftig mit praxisorientierter Nachhaltigkeit geleistet werden.
Der bisherige Output benötigt jetzt würdigenden Input sonst droht die Gefahr, dass Vernetzungsprozesse und daraus resultierende Projekte durch externes Interesse unterwandert werden, denn die Qualität der regionalen Vernetzung zieht inzwischen überregionale Kompetenzen aus Wirtschaft und Industrie an, werden doch hier wegweisende Innovationen in der Gesundheitsbranche konzipiert und vorangebracht, welche allmählich eine bundesweite bzw. internationale Beachtung finden.

Es ist 5 nach 12:  Jeder 3. Einwohner des Landkreises HN ist 2020 über 60 Jahre!

Ausgabe 1/2010

Was tut das Pflegenetz HN e.V.?

Das Pflegenetz Heilbronn e.V. fordert seit Jahren eine bessere Zusammenarbeit
zwischen den Gesundheitsakteuren unabhängig der Trägerschaft, des Sektors oder der Berufsgruppen und fördert durch verschiedene Initiativen eine vernetzte Gesundheitslandschaft in der Region Heilbronn! Auch wenn viele Verantwortliche den Nutzen der Aktivitäten des Pflegenetzes derzeit noch nicht erkennen können oder ignorieren, werden wir uns weiter im Interesse einer guten und durchgängigen Patientenversorgung „einmischen“ und die Beteiligten zum offenen Informations- bzw. Interessensaustausch auffordern. Ebenso fördern wir den praxisorientierten Dialog auf Augenhöhe und führen die Beteiligten zusammen!

Wir fordern und fördern die Region – 62,3 % sind Anlass genug! Aktuelle Beispiele:


> Archiv