Ausgabe 2/2009

Wachstumsbranche „Gesundheitsmarkt“ kämpft noch mit maroden Verhältnissen

Überholte Strukturen und Lobbyisten verhindern zukunftsfähige Innovationen

Dieses Problem ist vielen seit Jahren bekannt: Als Patient erfährt man das Gesundheitssystem noch nicht als Markt. Was in Hochglanz­broschüren vollmundig angepriesen wird, sieht in der Realität oft ganz anders aus. Es fehlt dazu an entsprechender Organisation und Koordination, an strukturellen und systema­tischen, den Erfordernissen angepassten Prozessoptimierungen, an effizienten und ökonomischen Grundvoraussetzungen.
Viele Prozesse sind aufgrund steigender Anforderungen und Erwartungen der Patienten auch nicht mehr ausreichend gesichert. Jedenfalls fehlt es bislang am politischen Nachdruck und leider aber auch am öffentlichen Interesse. Zwar führen lange Wartezeiten und geschlossene Praxen, hohe Dienstleistungs­erwartungen und egoistische Bedürfnisse zu Unzufriedenheit bei Patienten und im Umkehrschluss zu genervten und gestressten Mitarbeitern — Beispiele gibt‘s genügend und Sie kennen sicher weitere — doch ein Aufschrei der Betroffenen bleibt aus.
Patienten werden weiter einem Gesundheits­markt ausgesetzt, der aber noch in den „Kinderschuhen“ steckt bzw. sich nicht aus seinem engen „Korsett“ befreien konnte (oder wollte!), sie sollen sich aber gefälligst darin zurechtfinden. Es ist deshalb unbgreiflich, wie lange die Politik den maroden Prozessen zusieht bis man der Praxis endlich den richtigen Weg weist.
Kostendruck und Sparzwang lassen kaum Raum und Zeit für eigene grundlegende Umdenkungs­prozesse. So wird im System an der Krankheit „Gesundheitsmarkt“ herumgedoktert, dabei nur Auswirkungen nicht aber Symptome behandelt und schon gar keine Prävention versucht. Am Ende bleiben dann politisch nur kosmetische Eingriffe mit relativ punktuellem Erfolg — dies schafft Missmut. Es gibt noch keine schlüssigen, von der Praxis anerkannten Konzepte für den dynamischen Anforderungswandel, doch ist es höchste Zeit ähnlich wie in der Rentenpolitik offen und ehrlich darüber zu sprechen, welche Gesundheitsleistung zukünftig durch das Sozialsystem finanziert werden kann und was in privater Absicherung geleistet werden muss.

Es ist 5 nach 12:  Jeder 3. Einwohner des Landkreises HN ist 2020 über 60 Jahre! Andererseits sind die Akteure des Gesundheits­marktes aufgefordert, ihre Prozesse den steigenden Anforderungen, der demografischen Entwicklung und dem Konsumverhalten der Patienten anzupassen.
Vor allem in den sektorübergreifenden Prozessen d.h. vom ambulanten Bereich ins Krankenhaus und später evtl. in Reha oder Stationäre Pflege. Hier sind Schnittstellen nach wie vor noch nicht optimiert und neben dem Kostenfaktor ist es der Qualitätsmangel, den der Patient direkt verspürt.
Momentan trifft man hier auf verkrustete, statische Strukturen, obwohl vielen klar ist, dass zukünftige Versorgung nur in vernetzter Form mit einer entsprechenden Qualität geleistet werden kann. Der zukünftige Gesundheitsmarkt erfordert, um auf die steigenden Anforderungen des demografischen Wandel reagieren zu können, eine innovative flexible Entwicklung wie sie in vernetzten Strukturen gefordert werden.

Deshalb bedarf es der übergreifenden Kommunikation, der Entbürokratisierung, der transparenten Darstellung von Leistung, adäquate Honorierung von guter Leistung und einem gesunden Wettbewerb auf allen Ebenen.
Begleitet durch eine ehrliche, offene ethische Auseinander­setzung, welche in nachvollziehbaren Leitlinien mündet und Bürgern wie Patienten verständlich gemacht wird. Denn 2020 wird jeder Dritte 60 Jahre oder älter sein!


Ausgabe 2/2009

Vernetzte Versorgungsformen mit kommunaler „Mit“-Verantwortung

„Pflegenetz Heilbronn e.V.“ (PfN HN) fordert Bestandsaufnahme und Bedarfsermittlung, um auf den demografischen Wandel zu reagieren. Ist die Gesellschaft gewappnet für die zunehmende Überalterung? Wie sieht es aus mit der Versorgung von Senioren in den Kommunen? Ist das Verständnis, das Wissen über die Notwendigkeiten bei den Verantwortlichen vorhanden?
Wie viel Zeit bleibt uns noch um agieren und nicht reagieren zu müssen? Diese und viele weitere Fragen beschäftigen nicht nur Bürger, sondern seit Jahren auch das PfN HN und dessen Mitglieder. Welche Lösungen gibt es? Wir wollen Antworten und Taten mit allen Beteiligten weiter vorantreiben.
Im Stadt und Landkreis HN ist mit den geschaffenen Einrichtungen sicher Vorbildliches erreicht worden. Ein Überangebot an Pflegeheimplätzen beendet die Warteliste und ermöglicht dem Verbraucher die Auswahl. Wohnortnahe Versorgung wurde kontinuierlich ausgebaut. Viele Kommunen haben ihre Pflegeeinrichtung vor Ort und entwickeln ehrenamtliche Bürgernetzwerke. Sind diese Einrichtungen und Institutionen aber für die kommende Herausforderung und Ansprüche des amtlich prognostizierten Zuwachses von über 62 % Pflegebedürftigen bis 2020 ausreichend? Welche Kommune kennt die Bedürfnisse und Erfordernisse ihrer älter werdenden Bürgerschaft? Seit Jahren fordert das PfN HN und sieht es als dringlich an, eine Bestandsaufnahme und eine Bedarfsanalyse zu erstellen, was denn in Zukunft wirklich gebraucht wird. Dabei geht es sowohl um Pflegeplätze, altengerechte Wohnungen, neue alternative Wohnformen und ambulante Pflegedienste als auch um (fach)ärztliche Versorgung oder um Heilanwendungen und Therapien.

Benötigt eine Gemeinde weitere betreute Wohnungen, die außer Barrierefreiheit und seniorengerechten Sanitäreinrichtungen eigentlich nichts bieten, vor allem nicht die suggerierte „Betreuung“?
Können bestehende Strukturen verändert und sinnvoll miteinander verknüpft werden?
Nimmt die Kommune die Mitverantwortung an, um mit uns auf den Pflege- und Ärztenotstand zu reagieren? Hier geht es auch um Kinderbetreuung und Arbeitsbedingungen.
Die Vielfalt möglicher Antworten und Lösungen ist groß und muss topografisch betrachtet werden. Beispiele sind: neue Wohnformen, gemeinschaftliches Wohnen älterer Menschen, die sich auch gemeinsam versorgen. Vielleicht ist auch das Mehrgenerationenhaus für die Erhaltung geistiger und körperlicher Beweglichkeit älter werdender Menschen besser?
Ob diese Möglichkeiten auf die eigene Gemeinde passen, darf man nicht nur Investoren oder einzelnen Protagonisten überlassen. Für die Städte und Gemeinden ist es sinnvoll und an der Zeit, erst einmal eine Bestandsaufnahme zu machen und eine Prüfung des absehbaren Bedarfs vor weitere neue Investitionen oder Strukturen zu stellen. Es muss eine gemeinsame Aufgabe aller Beteiligten unter Einbindung von Betroffenen sein, so die These des Pflegenetz Heilbronn e.V.!
Der Kommentar: „Teilhabe am Leben!“
Eine älter werdende Gesellschaft fordert einen Umdenkungsprozess und muss die unterschiedlichen Facetten des Alters wie Mobilität, Bewegung, Ernährung, medizinische Versorgung, Kultur, Barrierefreiheit, Wohnen und Leben mit unterschiedlichen Erkrankungen wie z.B. die Demenz berücksichtigen.
Wie müssen Einkaufsmöglichkeiten, öffentliche Verkehrsmittel, Kulturangebote und Naherholung aussehen, um der Lebensqualität in der Kommune gerecht zu werden? Es geht nicht nur darum, Raum zu schaffen und fachkompetentes Pflegepersonal zu stellen. Man muss auch dafür Sorge tragen, dass Sicherheit, Selbstständigkeit, Eigenständigkeit und Teilhabe am Leben in der Gesellschaft bei älteren Menschen durch vernetzte Versorgungsstrukturen, unterstützt durch moderne Techniken, so lange wie möglich erhalten bleiben können. Jeder, ob jung oder alt, muss sich darüber Gedanken machen und diese auch einbringen. Es ist unser aller Verantwortung wie wir unsere Zukunft, in der wir leben, gestalten!


Ausgabe 1/2009

Pflegenotstand auch in Heilbronn?

Damit es nicht soweit kommt, geht das Pflegenetz Heilbronn e.V., seine Mitglieder und Partner seit langem gegen diese drohende Problematik mit mehreren Projekten aktiv an

Die Altenhilfe steckt wahrhaftig in einem Pflegenotstand. Dies ist aber kein neues oder lokales Phänomen, sondern besteht eigentlich schon seit Jahren. Wahrscheinlich ist es ein allgegenwärtiges Problem der Altenhilfe, zumindest ein immer wiederkehrendes – nur jetzt droht der Kollaps!

Wie vor einigen Jahren stehen unsere Einrichtungen aktuell wieder vor dem immer schwieriger werdenden Problem, geeignete Fachkräfte auf dem Pflegemarkt zu gewinnen. Mit Pflegefachkräften aus dem osteuropäischen Raum konnte bislang dieses Defizit zwar teilweise ausgeglichen werden. Aber nun stehen wir vor der größten Herausforderung, die nicht nur die hiesige Region oder Deutschland betrifft, sondern inzwischen auch ganz Europa. Denn hier ist das Buhlen um gute Pflegefachkräfte bereits in vollem Gange. Die Ursachen dafür sind sehr diffizil. Im Wesentlichen begründet sich dieser Notstand darin, dass die Berufe der Altenhilfe zwar gesellschaftspolitisch in den letzten Jahren an Beachtung gewonnen haben, es aber den Verantwortlichen seit Jahren nicht gelungen ist, dem Berufsfeld der Altenpflege ein positives Image zu verleihen. Auch Imagekampagnen wie z. B. „Pflege bewegt sich“ haben keinen oder nur geringen Effekt erzielt und waren leider nur sehr oberflächliche Kosmetik ohne Nachhaltigkeit! Dem Berufsbild fehlt es nach wie vor an Attraktivität, differenzierten Karrierechancen und monetärer Anerkennung durch gute Löhne (trotz Wachstumsmarkt Nr. 1). Damit ist der ständige „Fachkräftemangel“ vorprogrammiert.Ein weiteres Problem liegt bekanntermaßen darin, dass politische Rahmenbedingungen nur punktuell und dann auch noch konträr angegangen werden. Denn die Politik fordert zwar „gute Qualität“, stellt dafür aber die Weichen nur halbherzig oder falsch. Man versucht mittels immer mehr Kontrollen durch Heimaufsichtsbehörde und MDK die Qualität zu steigern, steigert aber stattdessen leider nur den bürokratischen Aufwand in den Einrichtungen. Dagegen stehen steigende Anforderungen an die Pflege und die zunehmenden Ansprüche der Kunden bei gleichzeitigem wachsenden Kostendruck bzw. Reduzierung der finanziellen Mittel. In diesem Spannungsfeld stehen die Pflegeleistenden und ihre verantwortlichen Träger täglich, denn die notwendige Menschlichkeit, Zuneigung und Zeit für Normalität aus einem pauschalisierten Minutentakt mit guter Dienstleistungsqualität zu generieren ist inzwischen nicht nur eine betriebswirtschaftliche Herausforderung, sondern für eine vielschichtig ausgebildete Pflegekraft eine grenzwertige Belastung, für manche sogar ein Ding der Unmöglichkeit.

Die Altenpflege hat damit eher krankmachende Arbeitsbedingungen in der Pflege, was eine signifikant höhere psychosomatische Erkrankungsrate bei Pflegekräften nach sich zieht. Man sollte einfach bedenken, dass unsere zu betreuenden Menschen nun mal kein Stückgut oder eine Produktionseinheit sind!

Hier muss man jetzt die grundlegende Problematik angehen, denn wir stehen vor der großen gesellschaftlichen Herausforderung
des „demografischen Wandels“. Hier gilt es gemeinsam anzupacken und nicht darauf zu vertrauen, dass politische Rahmenbedingungen eine Veränderung bringen. Politik denkt leider nur in max. 4 Jahresperioden, aber genau da gilt es anzusetzen und die Chance zu nutzen, wir stehen bekanntlich „vor einer Wahl“. Unser Pflegenetz Heilbronn e.V. (PfN HN) hat sich dieser Herausforderung seit langem angenommen. In verschiedenen Projekten setzen wir uns vom PfN HN neben einer leicht verständ lichen und vergleichbaren Transparenz in der Pflege –
durch unser Qualitäts-Bewertungssystem „Sterne für gute Pflege“ – schon lange auch für eine bessere und nachhaltige Qualifizierung in
der Aus-, Fort- und Weiter bildung unserer Mitarbeiter zum Wohl der Bewohnerinnen und Bewohner sowie der Patienten ein. Das Pflegenetz Heilbronn e.V. – übrigens immer noch das größte real existierende Pflegenetzwerk (von der Basis ausgehend, freiwillig, ehrenamtlich und ohne Lobby) im deutschen Gesundheitsmarkt – sieht in der Krise auch gute
Chancen und Perspektiven zur praktischen Weiterentwicklung des Gesundheits wesens.
Denn gerade wir in der Region Heilbronn mit dem steigenden Bedarf (Zunahme der Pflegebedürftigen auf 63 % bis ins Jahr 2025) werden zu einem raschen Handeln im Interesse einer guten Versorgung der Bürger gezwungen sein.
Auch sollte man nicht vergessen, dass der Gesundheitsmarkt ein entscheidender Wirtschaftsfaktor mit Wachstumspotenzial für die ganze Region ist. Wir sollten jetzt für eine gute Pflege gemeinsam handeln – gemäß dem Motto:

„Gesundheitsregion HN: Wir können mehr als Blech und Hightech – wenn’s sein muss
auch auf Hochdeutsch ... !“)

Ausgabe 2/2008

Die Gesundheitsregion mit Zukunft: Heilbronn

Das Pflegenetz Heilbronn e.V. und der Gesundheits-Dialog arbeiten zusammen

Das Pflegenetz Heilbronn e.V. und der Gesundheits-Dialog mit dem WFG haben in enger Zusammenarbeit mit weiteren Partnern für den Stadt- und Landkreis Heilbronn eine Bewerbung zur „Gesundheitsregion der Zukunft“ abgegeben und auf die Ausschreibung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) reagiert.

Am 4. Juni 2008 fiel die Entscheidung: Die Heilbronner wurden leider nicht als eine der „Gesundheitsregionen der Zukunft“ mit entsprechenden Fördergeldern bedacht.
Trotzdem werden die an der Antragsstellung Beteiligten den eingeschlagenen Weg weiter verfolgen. Eine Förderung hätte zwar dazu beigetragen, die Projekte weiter voranzutreiben und auf Grund der Zuschüsse schneller als geplant zu realisieren. Doch der durch die Antragstellung entstandene Dialog zwischen den einzelnen Akteuren in der Region HN kann jedoch unabhängig von der Ausschreibung durchaus als großer Erfolg verbucht werden. Ein bedeutender Vorteil der Bewerbung der Gesundheits-Region Heilbronn (GRH) liegt darin, dass bereits feste Strukturen innerhalb der Landkreisgrenzen bestehen, auf die im Rahmen der Bewerbung zurückgegriffen worden wäre.

IMit dem „Gesundheits-Dialog“ hat die Wirtschaftsförderung Raum Heilbronn GmbH (WFG) seit Ende 2003 eine Informations- und Kommunikationsplattform geschaffen, auf der Krankenkassen, Krankenhäuser und Privatkliniken, Rehakliniken, Kur- und Therapiezentren und sonstige Einrichtungen im S/KL HN ihre Zusammenarbeit verstärkt haben. Ebenso Vertreter der niedergelassenen Ärzte und Zahnärzte, Vertreter der Apotheken sowie der Augenoptiker und die Hochschule Heilbronn mit dem Studiengang „Medizinische Informatik“. Parallel dazu hat sich das Pflegenetz Heilbronn e.V. (PfN HN) entwickelt. Es ist als eingetragener gemeinnütziger Verein fester Bestandteil der Gesundheitslandschaft. Mehr als 40 Einrichtungen und Dienstleistungserbringer in der Pflege – ambulant und stationär – stellen derzeit das größte real existierende Pflegenetzwerk in Deutschland dar, das mit dieser Zeitung (190.000 Ex.) die Bürger der Region kostenfrei zur Pflegepraxis informiert. Inzwischen ist das Pflegenetz HN anerkanntes Forschungs- und Versuchsfeld und trägt mit seinen Aktivitäten entscheidend dazu bei, die Zielsetzungen für eine Gesundheitsregion mit Zukunft umzusetzen. (Siehe Zeitung Seite 3)

Ausgabe 1/2008

Die Palliativversorgung muss verbessert werden!

Die ambulante Versorgung für Sterbenskranke liegt im Argen

Die bedarfsgerechte Versorgung unheilbar schwerkranker und sterbender Menschen in Deutschland weist erhebliche Defizite auf. Dies hat im Jahr 2005 die Bundestags-Enquête-Kommission „Ethik und Recht der modernen Medizin“ in ihrem Abschlussbericht festgestellt. Auch haben in der Vergangenheit verschiedene Institutionen wiederholt darauf hingewiesen, dass die Versorgung schwerkranker und sterbender Menschen, insbesondere im ambulanten Sektor, dringend erweitert werden muss, um sehr viel mehr Menschen als bisher einen Verbleib in der häuslichen Umgebung bis zum Tod zu ermöglichen.

Mit der Gesundheitsreform ist nun die spezialisierte ambulante Palliativversorgung neu eingeführt worden. Geleitet durch Richtlinien des gemeinsamen Bundesausschusses sollen nun die Regionen eine flächendeckende Ausgestaltung regeln. Der Richtlinienentwurf wurde aber jüngst stark kritisiert „… denn konfliktträchtige Punkte wurden offen gelassen“, so der Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin Dr. Thomas Schindler. Ebenso sei die allgemeine Palliativversorgung weiter unterfinanziert – zum Nachteil für Hausärzte. Dr. Carbonnier von der Akademie für Palliativmedizin der Ärztekammer Niedersachsen äußerte ebenfalls Vorbehalte: „Der GBA hat die genaue Zusammensetzung der geplanten Palliativ Care Teams nicht geregelt. Die konkrete Ausgestaltung der Versorgung wird auf die Regionen weitergereicht, und dort wird man sich für den billigsten Anbieter entscheiden.“ (Quelle: Ärzte Zeitung, 18.1.2008)

In der Region Heilbronn hat man sich auch auf den Weg gemacht, um die Versorgung zu verbessern. Erste allgemeine Überblicke zeigen, dass punktuell schon sehr gute Voraussetzungen für eine adäquate Versorgung vorhanden sind. So haben einige Pflegedienste ihre Pflegekräfte zu spezialisierten Palliativkräften weiterbilden lassen.

Eine ambulante Versorgung erfordert aber die Zusammenarbeit unterschiedlicher Hilfsangebote. Für die Umsetzung einer flächendeckenden Versorgung in der Region müssen die bestehenden Dienste aufeinander abgestimmt werden. Hierfür bedarf es aus Sicht des Pflegenetzes Heilbronn einer Ermittlung von Stärken und Schwächen, um bestehende Strukturen zu verbessern bzw. weitere neue und notwendige auszubilden. Deshalb plant das Pflegenetz eine Strukturanalyse, um sich auch hier für eine vernünftige Lösung im Interesse des Patienten (gemäß der Vereinssatzung) einzusetzen. Denn bereits in der Vergangenheit hat sich das Heilbronner Netzwerk dafür engagiert, dass seine Pflegekräfte ein spezielles Wissen über Schmerzbehandlungsmöglichkeiten und deren Anwendung erlangen können.
Hierfür bietet das Pflegenetz gemeinsam mit allen Beteiligten die Chance (gemäß seiner Maxime): Gemeinsam über alle Sektoren hinweg Mitar-beiter qualifizieren, einander kennen und verstehen lernen und so gemeinsame Versorgungsziele aufzusetzen.
Damit bringt das Pflegenetz wieder ein Projekt auf den Weg, dass dann später von Partnern in deren Kernkompetenz weitergeführt wird. Natürlich unter Begleitung und Weiterentwicklung des Pflegenetzes Heilbronn e.V.


Ausgabe 2/2007

„Sterne-System für gute Pflege“

Damit die Wahl der Pflegeeinrichtung nicht zu einem Reinfall wird

Die Situation trifft meistens unerwartet ein: Nach dem Schlaganfall ist die betagte Mutter von einem Tag auf den anderen zum Pflegefall geworden. Die berufstätige Tochter, die selbst für eine Familie zu sorgen hat, ist gefordert: Welche Pflegeeinrichtung kommt für meine Mutter in Frage?

Qual der Wahl
Eine wichtige Entscheidung steht an: In welche Pflegeeinrichtung könnte man die Mutter guten Gewissens bringen? Der Einrichtung x eilt ein guter Ruf voraus. Die Einrichtung wäre aber vom Wohnort nicht so weit entfernt. Ach ja, der Preis spielt ja auch noch eine Rolle. Jetzt ist guter Rat teuer.

Problematische Situation
Wie soll die Entscheidung ausfallen? Nach rationalen Gesichtspunkten? Oder soll man dabei seinem Gefühl vertrauen? Oftmals bleibt keine Zeit, um sich im Vorfeld umfassend über verschiedene Einrichtungen zu informieren oder diese gar zu besichtigen.

Objektive Entscheidungs- und Orientierungshilfe
Schade, denkt die treusorgende Tochter, dass es bei Pflegeeinrichtungen keine Organisation wie die „Stiftung Warentest“ gibt, die das Dienstleistungsangebot von Pflegeeinrichtungen genau unter die Lupe nimmt.

Eine objektive Bewertung würde diese Entscheidung, die ja einen gravierenden Einschnitt im Leben eines alten Menschen darstellt, erleichtern. Damit die Wahl später nicht zum Fehlgriff oder im schlimmsten Fall zum Alptraum wird.

Sterne für gute Pflege
Mit dieser Problematik, der viele Angehörige plötzlich gegenüber stehen, setzt sich das Pflegenetz Heilbronn derzeit intensiv auseinander. Angestrebt wird ein Bewertungssystem für Pflegeeinrichtungen ähnlich der Klassifizierung von Hotels und Gasthäusern. An-gedacht ist, ein Bewertungsverfahren auszuarbeiten, das ein objektives Prüfergebnis erzielt und damit eine aussagekräftige Gesamtbewertung der jeweiligen Einrichtung.

Für den Laien verständlich
Das Konzept sieht eine 5-Sterne-Einstufung vor. Diese dient in erster Linie dem Laien, sprich dem Angehörigen, und soll für jedermann auf leicht verständliche Weise konkrete Aufschlüsse über die Qualität einer Pflegeeinrichtung liefern.

Positive Stimmen
Das Sozialministerium gab bereits seine erste Einschätzung über das laufende Sterneprojekt: „Wir halten das Projekt, das das Thema ,Verbraucherschutz in der Pflege’ aufgreift, für sehr interessant und sind am Fortgang und möglichen Ergebnissen sehr interessiert.“

Umsetzung in die Realität
Für den SPD-Landtagsabgeordneten Reinhold Gall ist das Projekt „lange überfällig, dass wir ein einheitliches, qualifiziertes und vor allem für Pflegebedürftige und deren Angehörige einfach zu durchschauendes Prüfungs- und Bewertungssystem für Pflegeeinrichtungen einführen.“
Er bezeichnet das 5-Sterne-System „so einfach wie genial“ und wünscht, dass es gelingt, das Projekt in die Realität umzusetzen. „Ich werde mich mit Nachdruck dafür einsetzen, dass die Landesstiftung das Projekt finanziert“, so der SPD-Landtagsabgeordnete.

Wichtiger Anhaltspunkt für Angehörige
Volle Unterstützung erfährt das Projekt auch vom CDU-Landtagsabgeordneten Dr. Lasotta: „Ich werde mich dafür beim Sozialministerium einsetzen“, sagt Dr. Bernhard Lasotta im Interview.

CDU-Landtagsabgeordneter Dr. Lasotta, der den hohen Nutzfaktor des Bewertungssystems gerade für Angehörige von Pflegebedürftigen sieht: „Ich befürworte das Projekt, weil die Qualität von Pflegeeinrichtungen aufgezeigt wird und damit die Angehörigen Anhaltspunkte für die Wahl der Einrichtung erhalten.“

Zukunftsträchtiges Projekt
Denn die Angebote der Pflegeeinrichtungen wären derzeit nur schwer zu vergleichen. Zwar gäbe es Zertifizierungen durch Prüfungsinstitutionen sowie die Heimaufsicht, die schwerpunktmäßig die Strukturqualität der Einrichtungen bewerteten. Für den CDU-Landtagsabgeordneten ist bereits heute
klar: „Dieses Projekt geht in eine vernünftige Richtung.“
Als profunder Kenner der Altenhilfe befürwortet auch der Heilbronner Gerontologe Horst Ebert das Pflegenetz-Projekt: „Es ist zukunftsträchtig, weil es bestens geeignet ist, um auf nachvollziehbare Weise Transparenz für Pflegeangebote zu schaffen.“ Der Gerontologe plädiert für ein unabhängiges Expertenteam, das die Institutionen prüft und bewertet.

Transparenz schaffen
Auch Ehrenamtliche, die sich in der Altenhilfe engagieren, sehen die Notwendigkeit, Transparenz zu schaffen. Für Karl Deger aus Heilbronn, der sich seit 48 Jahren in der Altenhilfe engagiert, zeichnet sich eine gute Pflegeeinrichtung auch durch eine liebevolle Atmosphäre aus: „Es muss sich dringend etwas verändern, vor allem alte Menschen verdienen Wärme und einen würdevollen Umgang“, fordert Karl Deger. Auch für Ehefrau Elfie, die vor ihrem Ruhestand als Krankenschwester in der Gerontopsychiatrie arbeitete, sieht die liebevolle Betreuung des Heimbewohners als ein wichtiges Kriterium in der Bewertung einer Einrichtung an.

Anne Väisänen, Journalistin


„Sterne für gute Pflege“

Verbraucherschutz durch verständliche Transparenz

Pilotprojekt: Bewertungssystem für stationäre und ambulante Altenhilfe zur positiven Differenzierung von Pflegedienstleistungen und allgemeinverständlichen Transparenz für die Öffentlichkeit.

Die Wahl der Einrichtung in der stationären und ambulanten Altenhilfe für den letzten Lebensabschnitt des älteren Menschen bereitet angesichts der großen Auswahl mitunter auch große Probleme. Die Unsicherheit darüber, worauf geachtet werden sollte, der Stress, der mit der Auswahl verbunden ist und andere Faktoren machen die Wahl nicht immer zu einer rationalen Entscheidung, sondern eher zu einem Glücks- oder Fehlgriff.

Ein vertrauenswürdiges Bewertungssystem (wie z.B. die Hoteleinstufung) bietet sich zur Orientierung an. Während ein Hotel sich aber auf Unterkunft und Verpflegung beschränkt, sind bei Pflegeeinrichtungen alle Aspekte des alltäglichen Lebens zu berücksichtigen.

Dieser Vielschichtigkeit muss Rechnung getragen und ein umfassendes Bewertungssystem entwickelt werden, das einerseits bereits vorhandene Bewertungen einbezieht und andererseits die noch fehlenden Aspekte erhebt. Das Gesamtergebnis muss für den Interessenten an der Pflegeeinrichtung leicht verständlich und zuverlässig sein.

Deshalb schlagen wir ein Sterne-System
(1 bis 5 Sterne) vor. Denn Sterne weisen den Weg, sind Qualitätszeichen und Gütesiegel: Symbole, auch ohne Worte verständlich!

Das System muss fachlich kompetent, objektiv, nachvollziehbar und rückverfolgbar sein. Dies ist Voraussetzung, dass es von den potenziellen Nutzern, den Kostenträgern und den Einrichtungen anerkannt wird. Welche und wie viele der nachfolgenden Aspekte tatsächlich miteinbezogen werden, ist mit den Verantwortlichen zu diskutieren und zu entscheiden.

Folgende Erhebungen sollten in das
Prüfungssystem einbezogen werden:

• Heimaufsicht
• Medizinischer Dienst der KVs (MDK)
• Alltagsqualität der Einrichtungen
• Selbsteinschätzung der Einrichtungen
• Qualifikation des Personals
• Infrastruktur der Einrichtungen
• Zertifizierungen der Einrichtungen
• Einschätzungen der Alltagsexperten
• Mitarbeitereinschätzung
• Beurteilung von Pflegesituationen

Für die praktische Entwicklung und Erprobung einer positiven Differenzierung von Qualität in der Altenhilfe stellen sich aus dem Pflegenetz Heilbronn e.V. Einrichtungen unterschiedlicher Träger zur Verfügung.
Die Sternevergabe ist Verbraucherschutz! Um einen guten Schutz zu garantieren, sollte
das Bewertungssystem in das vorhandene Prüfschema anderer Institutionen wie Heimaufsichtsbehörde oder MDK eingefügt und mit diesen abgestimmt werden.

Unter aktiver Beteiligung der erfahrenen Mit-arbeiter aus den unterschiedlichen Einrich-tungen des Pflegenetz Heilbronn e.V. wer-
den die Kriterien kompetent, konstruktiv und praxisnah gemeinsam unter einer externen (wissenschaftlichen) Begleitung erarbeitet. Ebenso sind die im Pflegenetz tätigen Ehrenamtlichen und Berufsfachsschulen für Altenpflege mit einzubeziehen.

Akzeptanz der Mitglieder aus der Praxis
Ein Workshop mit Mitgliedseinrichtungen bestätigte die Bereitschaft dieses Bewertungssystem mitzuentwickeln. Insgesamt haben sich zehn Einrichtungen (stationär, teilstationär und ambulant) aus Stadt und Landkreis HN bereit erklärt – dies garantiert die praktische Umsetzung und Machbarkeit.
Austausch und Einbindung anderer hier tätigen Organisationen wird aktiv angestrebt.

Fazit: Der Bedarf nach Transparenz in der Pflege ist offensichtlich (allein 1.470.000 Hits bei google!!!). Die Wahl der angemessenen Pflegeeinrichtung darf also nicht dem Zufall überlassen bleiben. Den Betroffenen muss eine zuverlässige Orientierung und transparentens System für das Leben und die Lebensqualität im letzten Lebensabschnitt im Sinne praktizierten Verbraucherschutzes zur Verfügung gestellt werden.

Das Pflegenetz Heilbronn e.V. nimmt diese Herausforderung hiermit an!

Ihre Meinung ist uns wichtig:
Bitte schreiben Sie uns doch Ihre Meinung zu unserem neuen Projekt „Sterne für gute Pflege“ hier in HN z.Hd. Roland Heumaier, Peter-Bruckmann-Schule, 74072 Heilbronn,
Telefax: (0 71 31) 3 90 43-305 oder per E-Mail: info@pflegenetz-heilbronn.de


Ausgabe 1/2007


Als beklemmend beschreiben viele Menschen das Gefühl, das sie beschleicht, wenn sie eine Pflegeeinrichtung besuchen. Ein Pflegedienstleiter eines Seniorenheims drückt es konkreter aus: „Es fehlt das Menschliche, für intensive Gespräche bleibt keine Zeit. Deswegen sind viele Bewohner enttäuscht, weil sich ihre Erwartungen im Altenheim nicht erfüllt haben.“

Eine Pflegeeinrichtung ist nur für ihre Bewohner da. Sollte man zumindest meinen. „Das Personal hat zuwenig Zeit für die Bewohner, alles geht straff nach der Uhr“, erzählt eine Ehrenamtliche. „Der Alltag ist einfach stupide, man merkt, wie manche Bewohner unheimlich schnell abbauen“, beobachtete die Tochter einer Bewohnerin . „Alle sitzen den ganzen Tag nur herum“, lautete eine weitere Aussage. Den Grund für diese Misere sehen viele in den Arbeitsbedingungen des Personals.

„Die sind zumeist durch die vielen Aufgaben überlastet und haben Angst, ihren Job zu verlieren, wenn sie sich über die Arbeitsbedingungen beschweren,“ sagt eine ehemalige Mitarbeiterin.

Die alten und kranken Menschen stehen im Mittelpunkt, nur ihre Bedürfnisse zählen. Sollte man zumindest meinen. Zweifelsohne erfordert es sehr viel Einfühlungsvermögen, sich in die Lage eines alten und kranken Menschen zu versetzen, der nicht mehr in der Lage ist, sich selbstständig zu versorgen. Dies ist äußerst schwer, denn er befindet sich in fataler Abhängigkeit von seiner Umwelt.

Diese tiefe innere Ohnmacht – ob bewusst oder unbewusst erlebt – ist für seinen Seelenzustand sehr gefährlich. Ein gesunder Mensch, der kurzzeitig erkrankt, hat die Hoffnung, wieder gesund zu werden. Diese Hoffnung schenkt ihm die Kraft, seinen Lebenswillen nicht aufzugeben. Menschen, die an einer unheilbaren Krankheit leiden, entwickeln oftmals einen starken Überlebenswillen. Sie kämpfen um ihr Leben. Und genau dieses Aufbäumen gibt ihrem Leben einen Sinn. Doch wie steht es mit dem Lebenssinn und der Wertigkeit eines alten, kranken und pflegebedürftigen Menschen?

 


Wenn seine Hilflosigkeit zum Leben bestimmenden Grundgefühl wird, dann hat das dramatische Auswirkungen. Der Mensch resigniert, er gibt sich auf, jegliche Motivation schwindet und der Handlungsantrieb wird sehr gering. Lässt man diesen Menschen nun in seiner Passivität verharren, dann schwinden auch die letzten Kompetenzen. Das Lebensfeuer erlischt.

Der Sinn des Lebens besteht nämlich darin, dass es gelebt wird. Das wissen auch Betreiber von Seniorenheimen und so sind sie bemüht, das so genannte „Leben“ ins Haus zu holen. Wie z. B. durch Besuche von Kindergarten-Kindern und Ehrenamtlichen. Alte und kranke Menschen zu revitalisieren ist schwierig, vor allem wenn die Rahmenbedingungen dafür nicht gegeben sind. Eine gut geführte Pflegeeinrichtung zeichnet sich insbesondere durch eine gesunde Personal- und Lohnpolitik aus. Diese garantiert motivierte und engagierte Mitarbeiter, die sich auf das Wesentliche konzentrieren: Nämlich auf den alten und kranken Menschen, der ein würdevolles und sinnerfülltes Leben verdient.

Missstände im Gesundheitssystem können nur behoben werden, wenn Angehörige, Ehrenamtliche und Mitarbeiter die Konfrontation mit diesem Thema nicht scheuen. Deswegen ist Ihre Stimme gefragt. Wenden Sie sich bitte ans Pflegenetz Heilbronn e.V. und berichten Sie von Ihren Erfahrungen und Erlebnissen mit Krankenhäusern, ambulanten und stationären Pflegedienstleistern.

Alle Ihre Zuschriften werden vertraulich behandelt. Denn erst, wenn das Kind beim Namen genannt wird, gibt es eine Chance auf Veränderung.

Anne Väisänen, Journalistin


Sterne für gute Pflege?
Pflegenetz fordert bessere Kennzeichnung von Qualität in der Pflege

Der Begriff „Qualitas“
beschrieb bei den alten Griechen die Beschaffenheit von Gegenständen oder Leistungen. Heute wird in der Pflege Qualität nicht nur durch subjektive Ansichten sondern auch durch gesetzliche Rahmenbedingungen gefordert aber nur z.T. gewährleistet.

Das Fachchinesisch hilft dem suchenden Bürger wenig.
Begriffe wie „DIN ISO ...“, „TQM“, „Zertifizierung nach KTQ, EFQM, ...“ , welche die Pflegequalität in der stationären und ambulanten Pflege eigentlich garantieren sollen, sind für Laien nicht nachvollziehbar und zieren oft nur die Eingangsbereiche der Einrichtungen. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) und die Heimaufsichtsbehörden sichern nur die Mindestanforderungen der Pflege. Eckpunkte wie Kundenzufriedenheit, Förderung der
Lebensperspektiven oder Kundenorientierung werden erst jetzt erkannt und ernst genommen.

Schlechtes Image der Pflege
Negative Schlagzeilen über Missstände, unzureichende Betreuung und mangelhafte Leistungen in der Pflege verunsichern die Bürger – ja machen ihnen sogar Angst. So würden sich laut Umfrage des Altenpflegemonitors nur 13 Prozent der Befragten für eine stationäre Pflege entscheiden und nur 28 Prozent meinen, dass die Pflege in Deutschland derzeit einen guten Ruf habe (siehe Grafik).

 

Handeln ist angesagt
Wir vom Pflegenetz meinen, dass dies vor allem daran liegt, da gute Pflegequalität für den Entscheider nicht klar erkennbar ist. Die „guten“ Einrichtungen haben keine Möglichkeit sich gegen die schwarzen Schafe in ihren eigenen Reihen abzugrenzen – alle landen in einem Topf. Die AG „Sichtbare Qualität“ des Pflegenetz Heilbronn hat sich deshalb das Ziel gesetzt, ein transparentes Bewertungssystem ähnlich dem der Hotelbewertung in der Reiseindustrie zu erarbeiten, um die Welt sowohl des Qualitätsmanagements als auch die der weichen Faktoren wie Betreuung, Atmosphäre und menschlicher Umgang für die „Kunden“ verständlich und vergleichbar zu machen, um gute Pflege zu verdeutlichen. Hierzu möchten wir den MDK und die Heimaufsicht zur Mitarbeit gewinnen, der Kreisseniorenrat hat seine Mitarbeit schon zugesagt. Sterne für gute Betreuung, Pflege, Service und Ausbildung könnten die bereits gute Leistungsqualität der Mitgliedseinrichtungen bald noch besser für den Interessierten sichtbar machen und andere zum Handeln zwingen. Nur ein Zertifikat als Bescheinigung für gute Qualität reicht uns als Pflegenetz Heilbronn im Interesse einer vergleichbaren Transparenz in der Pflege nicht aus!


Ausgabe 2/2006
Wem nützt das Pflegenetz?

Diese Frage wurde schon mehrfach an uns Verantwortliche des Pflegenetz Heilbronn e.V. herangetragen. Da sie sich aber nicht mit einem Satz beantworten lässt, weil es sich um einen umfassenden Prozess mit unterschiedlichen Entwicklungsstadien und vielschichtigen Synergien handelt, möchten wir Ihnen hier in Kurzform den konkreten Nutzen für die einzelnen Zielgruppen aufzeigen. Das Pflegenetz Heilbronn e.V. nützt:

Den Patienten und Bewohnern
Ihnen gilt unser satzungsgemäßes Handeln, denn sie sind Auslöser und Hauptnutzer des Prozesses. Mit den Zielsetzungen:
Koordination und Abstimmung der einzelnen Zuständigkeitsbereiche innerhalb der Behandlungskette insbesondere an den kritischen Übergabepunkten sowie die personenbezogene Zusammenstellung von Hilfs-, Betreuungs- und medizinischen Versorgungsangeboten auf der Basis des zukünftigen Netzwerkinstruments Care & Case Management.

Den Angehörigen
Durch institutionsübergreifende, neutrale und kostenlose Information und Transparenz rund um Krankenhaus-, ambulante und stationäre Pflegedienstleistung für eine schnellere und gezielte (Entscheidungs-)Hilfe im Falle eines Pflegebedarfs sowie den frühzeitigen Kontakt mit „Tabu-Themen“ wie Inkontinenz oder Demenz durch unsere Zeitung.

Den Mitarbeitern
Durch die aktive Sicherung von Arbeitsplätzen, erweiterte berufliche Orientierung durch spezifische Angebote von Fort-, Weiterbildungen und sektorübergreifende Qualifizierung, Aktualisierung der fortschreitenden pflegewissenschaftlichen Erkenntnisse und positive Veränderung der Wertigkeit, des Image und des Selbstbewusstseins in der Pflege.

Den Auszubildenden
Durch praxisbezogenere, leitlinienorientierte Pflegeausbildungen mit Hinblick auf konsequente Nutzung weiterführender Ausbildungsangebote bis hin zum Pflegestudium. Aber auch die Adressfindung möglicher Ausbildungsträger mit Interesse an beruflicher Kompetenz ihrer künftigen Mitarbeiter.

Den Mitgliedern
Das Ganze ist mehr als die Summe der einzelnen Teile! Dies ist die Basis für unsere bundesweit immer noch einzigartige Plattform, dem „Pflegenetz Heilbronn e.V.“. Hier gelingt es ohne persönliche, berufliche, konfessionelle und trägerschaftliche Belange mittels Diskussion „auf Augenhöhe“ und gemeinschaftlichem Erfahrungsaustausch, Synergien zu nutzen, neue notwendige Strukturen für die Zukunftssicherung zu initiieren und eigene Qualitätstandards zu definieren und auch umzusetzen. Dies bedeutet konkret: keine endlosen Debatten – sondern praktizierte Versuchsfelder für brauchbare Ergebnisse. Aus der Praxis – für die Praxis! Gemeinsamkeit macht stark!

Den Ärzten
Pflege ist das verbindende Element in der gesamten Behandlungskette. Mit dem Pflegenetz Heilbronn e.V. haben Ärzte zum ersten Mal die Chance mit allen Pflegeleistungserbringern eine zukünftige Rollen- und Aufgabenverteilung abzustimmen, bestehende Vorurteile und Doppelstrukturen abzubauen und mögliche Synergien einzuleiten.

 



Der Redaktionsbeirat mit dem Einsatzfahrzeug für das Projekt „Gemeinwesenorientierte Vernetzung“, das vom Pflegenetz und vom smart Center Stuttgart unterstützt wird. Ein Beispiel für eine gelungene Kooperation.

Der Politik
Sicherstellung der pflegerischen und beratungspflichtigen Aufgaben in der Altenhilfe sowie die praktische Umsetzung theoretischer Vorgaben, z.B. des Pflegequalitätssicherungsgesetzes (SGB XI) durch Entwicklung gemeinsamer Grundsätze und Qualitätsmaßstäbe bis hin zu allgemeingültigen Pflegestandards und sektorübergreifenden Leitlinien. Qualitätsverbesserungen trotz Kostenreduktionen mittels Entbürokratisierung.

Den Senioren
Die praktizierte Vernetzung auf dem Pflegesektor bildet den Kern für eine gezielte und koordinierte Ausweitung des Netzwerkes auf das gesamte Gesundheitswesen, von Prävention (Vorsorge) bis zu Wellness und darüber hinaus – als Chance für die Öffnung eines neuen Marktsegments.

Der Industrie
Die einrichtungsübergreifende und kollegiale Zusammenarbeit unserer Mitglieder bietet für die fachbezogene Industrie die Möglichkeit mit einem Streich ganze Berufsgruppen, unterschiedliche Systeme, zahlreiche Entscheider und potenzielle Kunden direkt anzusprechen, über ihre Konzepte zu informieren und zu qualifizieren sowie Rückmeldungen zu bekommen. Andere Unternehmen erhalten durch Kooperation die Chance Produkte und Dienstleistungen erproben und akzeptieren zu lassen, um sie wesentlich gezielter und glaubwürdiger den Zielgruppen anzubieten.

Den Bürgern
Ohne deren derzeitige aktive Beteiligung entsteht hier ein Reformprozess in ihrem Sinne, der aber in die öffentliche Diskussion führen wird. Dort wird dann ganz sicher deren Unterstützung als Lobby benötigt, um mit einen hohen Wirkungsgrad auf die am Pflegeprozess beteiligten Entscheider, Kostenträger und Verantwortliche einzuwirken. Allerdings nicht theoretisch fordernd sondern praktisch beweisend!

Der Gesellschaft
Nur mit ausreichendem qualifiziertem Wissen und gemeinsamer Zielsetzung, z.B. Lotsen, können wir alle – mit der Pflege als Bindeglied – den Problemen und den Forderungen des Gesundheitswesen im Interesse einer guten Patientenversorgung begegnen und diese nachhaltig verbessern.

Dies ist das satzungsgemäße Ziel des Pflegenetzes Heilbronn e.V.


Ausgabe 2/2005
Älter werden geht jeden an ...

... und mit dem Älterwerden ist es sinnvoll, sich auch mit dem Thema „Pflege“ auseinander zu setzen, um dann im Ernstfall für sich oder seine Angehörigen zeitnah die richtigen Entscheidungen treffen zu können. Aus diesem Grund hat sich das Pflegenetz Heilbronn e.V. zur Aufgabe gemacht, die Bevölkerung in der Region Heilbronn mit Informationen zu versorgen, die Lösungen aufzeigen und das Image der Pflege verbessern.

Es freut uns vom Pflegenetz Heilbronn e.V. deshalb sehr, dass es uns gelungen ist, die hochkarätige Ausstellung „PflegeKunst“ an zweiter Stelle im Land hier in Heilbronn im Hagenbucher zeigen zu können.

„Die Ausstellung ist wegen der Qualität der einzelnen Ausstellungsstücke und aufgrund ihrer vielfältigen künstlerischen Ausdrucksmittel hervorragend geeignet, eigenständige und von individuellen Erfahrungen geprägte Zugangswege zum Thema Pflege zu öffnen. Sie kann und wird deshalb dazu beitragen, dass auch Menschen, die bisher noch keine Berührungen mit diesem Aspekt des Lebens hatten, darauf aufmerksam werden“, so stimmt Horst Ebert, Altenhilfe-Fachberater bei der Stadt Heilbronn, diesem Erfolg bei und bringt es treffend auf den Punkt mit dem Satz: „Heilbronn freut sich auf PflegeKunst!“

Ein zweiter Grund, weshalb Ebert über das Zustandekommen der Ausstellung erfreut ist, hängt mit der Frage der Standortwahl zusammen: „Im Sozialministerium Baden-Württemberg ist bekannt, dass aus Heilbronn starke Impulse in Richtung einer kundenorientierten, vernetzten und bürgernahen Pflege kommen. Dies dürfte einer der Gründe dafür gewesen sein, dass das Sozialministerium gezielt auf das Pflegenetz und auf die Stadt Heilbronn zugegangen ist, als es um die Auswahl der Standorte für die Ausstellung „PflegeKunst“ ging.“


  Deshalb können auch die zahlreichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Krankenhäusern, Pflegediensten und Pflegeheimen und viele weitere interessierte Bürgerinnen und Bürger sich darüber freuen, diese impulsgebende Ausstellung vor Ort in ihrer Wohnregion sehen zu können.

Mit Sicherheit werden aber die neben dieser Ausstellung angebotenen Begleitveranstal-
tungen dazu beitragen, dass das Interesse an der Pflege und an ihrer künstlerischen Aufbereitung in den kommenden Wochen stets neue Nahrung finden wird. Dem Pflegenetz Heilbronn e.V. ist es für die Begleitveranstaltung am 8.6. gelungen, namhafte Persönlichkeiten aus dem Bereich der Pflege zu einer interessanten Podiumsveranstaltung in die SLK-Klinken nach Heilbronn zu holen. Unter dem Motto „Die Kunst der Pflege“ sollen die zukünftigen Pflegesituationen diskutiert sowie Ansätze für Weiterentwicklungen erörtert werden. Nur wenn alle Beteiligten im Gesundheitswesen zusammenarbeiten und dies als Chance begreifen, können entsprechende tragfähige Strukturen entwickelt werden.
Welche Bedeutung und Auswirkung dies künftig für Betroffene der Region Heilbronn hat, soll ebenfalls zur Sprache kommen.


Ausgabe 1/2005
In der Pflege tut sich was!

Unsere Gesellschaft befindet sich zurzeit in der glücklichen Lage, dass die Menschen ein immer höheres Lebensalter erwarten können. Da das „Älter“-werden häufig mit Einschränkungen oder Erkrankungen verbunden ist, erhöhen sich die Erwartungen an die medizinischen und pflegerischen Mög-lichkeiten und Leistungen. Gleichzeitig stellt sich die Frage nach der Finanzierbarkeit dieser Möglichkeiten.

Vor diesem Hintergrund wurde und wird eine gewollte Ausgabenreduzierung im Gesundheitswesen herbeigeführt sowie die Eigenbeteiligung an den Gesundheitskosten erhöht.
Für die Institutionen und Anbieter von Gesundheits- und Versorgungsleistungen lassen sich folgende Auswirkungen beschreiben:

  • Die Kosten im Krankenhaus werden durch fallbezogene Budgets begrenzt.
  • Die Liegedauer der Patienten verkürzt sich.
    Die Bettenkapazität der Krankenhäuser wird reduziert.
  • Es entsteht eine bewusste Verlagerung medizinischer und pflegerischer Problemstellungen in den ambulanten und in den Altenhilfebereich.

Die Pflegeberufe stehen damit vor der Situation, dass sie unter dem Kostendruck qualitativ hochwertige und spezialisierte Leistungen anbieten müssen, damit die pflegerische Versorgung in den einzelnen Sektoren abgestimmt und gleichbleibend garantiert wird. Dies kann nur in einer veränderten Organisation gelingen, die gekennzeichnet ist durch Kooperation und Vernetzung der verschiedenen Bereiche. Die Gründung des Pflegenetz Heilbronn e.V. ist eine richtige Antwort auf diese Entwicklungen.

 

Auch das Berufsfortbildungswerk (bfw) in Stuttgart reagiert auf diese Lage mit einem Ausbildungs- und Schulungskonzept für Pflegekräfte. Fachkräfte können sich zum „Pflegeexperten für Pflegediagnostik, Casemanagement, Schulung und Beratung“ weiterbilden.

In dieser Weiterbildung setzen sich die Pflegekräfte mit wissenschaftlichen Erkenntnissen in der Pflege auseinander. Sie lernen genaue pflegerische Diagnosen zu erstellen, die Wirksamkeit pflegerischer Interventionen zu bewerten und dadurch kostenreduzierende Entscheidungen zu treffen.
Als zukünftige Casemanager in der Pflege entwickeln sie Pflegepfade und setzen sich mit Fragen der Vernetzung der Sektoren auseinander. Darüber hinaus lernen sie Beratungs- und Schulungskonzepte kennen, um Patienten und Angehörige in der Selbstpflege effektiver zu unterstützen. Ebenso sind sie in der Lage Pflegekräfte in der Arbeit zu beraten und im wissenschaftlichen Stand der Pflege zu schulen. Das Berufsfortbildungswerk arbeitet in der Weiterbildung dieser Experten eng mit dem Pflegenetz Heilbronn e.V. zusammen. Bereits in der Konzeptentwicklung waren deren Praktiker daran beteiligt.

Ebenso wurde gemeinsam erarbeitet, wie die praktische Weiterbildung aussehen soll.
Die Struktur des Netzwerks ermöglicht es, dass die zukünftigen Experten die notwendigen Kompetenzen in den beteiligten Einrichtungen während ihrer Praktika entwickeln und erwerben können.

Wir gehen davon aus, dass die beteiligten Einrichtungen ebenfalls einen qualitativen Gewinn haben werden, denn die Pflegeexperten sind die Zukunft für die qualitative und finanzielle Steuerung der Pflege.


Ausgabe 2/2004
Das Pflegenetz Heilbronn
stößt auf großes Interesse
Seit dem 15. Juni 2004 ist das Pflegenetz Heilbronn jetzt offiziell aktiv und erfährt aufgrund seiner bislang einmaligen Konstellation vielschichtige Anerkennung und Resonanz.

Die breiten Sendebeiträge in TV und Radio durch den SWR und die ausführlichen Berichterstattungen in der Fachpresse zeigen uns, dass wir mit unserer Idee einer durchgängigen humanen Pflegekette den richtigen Weg eingeschlagen haben.

Die Mitgliedschaft des Sozialministeriums von Baden-Württemberg und des Berufsfortbildungswerkes sowie weitere Eintritte von Pflegenetzpartnern sind Beweis dafür und machen uns damit wohl zum umfangreichsten Vernetzungsprojekt der Pflege in Deutschland.

Dazu fanden sich inzwischen auch Kooperationspartner aus den verschiedensten Bereichen, die unser Vorhaben idealistisch mit ihren Investitionen unterstützen.

Dies bestärkt uns Mitglieder am Festhalten unserer Zielsetzungen, denn natürlich gibt es wie bei allen ersten innovativen Schritten kein Netz und doppelten Boden, so dass es auch Skeptiker und Zauderer dem „Pflegenetz Heilbronn“

 
Die Präsentation des „Pflegenetz Heilbronn“ löste nicht nur an der Auftaktveranstaltung sondern auch im ganzen Stadt- und Landkreis Heilbronn angeregte Diskussionen aus. V.l.n.r.: Herr Geisel (Fa. Hartmann), Herr Bopp (Klinik Löwenstein), Herr Weber (AOK), Frau Dolch (Redaktion) und Herr Nising (SWR)

gegenüber gibt. Das ist verständlich und wir verurteilen diese Haltung nicht, sondern werden alles daran setzen gerade diese Einrichtungen von der Notwendigkeit des Netzwerkes zu überzeugen.

So wurden inzwischen die ersten Ausschüsse eingerichtet, um die aktuellen Themen in kleinen effizienten Gruppen anzugehen.